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[29. Mai 2013] „Es braucht schon einen Meister, um komplexe Zusammenhänge einfach darzustellen“

„Es braucht schon einen Meister, um komplexe Zusammenhänge einfach darzustellen“

AUSSTELLUNG Im Bamberger FT-Verlagsgebäude ging gestern die Ausstellung „Viva Retro“ zu Ende. Von TONI FROMBERG (Fotos: Matthias Hoch)

Herr Metzenmacher Ihre Gemälde wurden zum ersten Mal überhaupt in einem größeren Rahmen in Bamberg gezeigt. Wie waren die Reaktionen?

In aller Bescheidenheit, sehr, sehr positiv, denke ich. So etwas Intensives hat Bamberg schon lange nicht mehr erlebt, scheint mir, denn wirklich viele Menschen waren tief berührt und beeindruckt. Das konnte ich nicht nur während der Eröffnung, sondern auch in den Wochen danach erleben. Ganz viele Menschen sprachen mich an, fragten nach Führungen und wollten die Erkenntnisse aus vielen Gemälden persönlich von mir erfahren. Ich hatte Besuch aus Amerika, aus vielen Städten in Deutschland, aus meiner Nachbarschaft. Selbst Klaus Staeck hat mir gratuliert und der Mann vom Zeitungskiosk war so begeistert, dass er mir direkt die Samstagsausgabe geschenkt hat. Auch möchte ich an dieser Stelle einmal die Mediengruppe Oberfranken für ihre tolle Unterstützung danken. Ihr Kulturredakteur Herr Görtler hat richtig zugehört, mich ernst genommen und sich selber ein Bild von meinen Werken gemacht - und wohl erkannt, welches Potential darin steckt. Chapeau! Ihm gehört wohl die Ehre, die Bedeutung für die Kunstwelt erkannt und als einer der Ersten auch dementsprechend kommuniziert zu haben.

Sie zeigen höchst politische und gesellschaftskritische Werke. Gab es Proteste?

Oh ja. Viele von den gezeigten Inhalten bzw. Perspektiven haben wohl einige Betrachter zum ersten Mal gehört oder besser gesagt so gesehen. Da ist dann nichts mit Applaus klatschen, sondern mit Skepsis. Aber das liegt im Wesen von etwas Neuem, wie Retro in der Kunst. Es kann ja nicht auf Bekanntes zurückgreifen, also zumindest nicht begrifflich, nicht von den Rezipienten. Prinzipiell geht es bei dem, was ich mache, aber um ein Stück Zeitgeschichte. Genauer: Um die Reflexion auf das unterbewusste Handeln unserer Gesellschaft. Das ist vielen Menschen zwar selbst gar nicht klar - und erst durch meine Bilder sind einige tatsächlich darauf gestoßen. Die Frage lautet eigentlich für jede Epoche: Wie haben die Menschen damals gehandelt und gedacht - oder vielleicht auch nur gefühlt, ohne es ausdrücken zu können? Ich liefere darauf eine Antwort in Bildern. Darin liegt unter anderem die eigentliche Qualität meiner Kunst. Gerade im Stillleben. Dem ist nämlich eigen, dass den gemalten Gegenständen eine Bedeutung innewohnt.

In Ihrem Vortrag zur Retro Art sprachen Sie über Paradoxien und chronische Dualismen. Was ist damit eigentlich gemeint?

„Wir sind doch alle gleich. Wieviel Gerechtigkeit ist möglich?“ Gleichheit und Gerechtigkeit sind Wörter aus ein und derselben Welt. Alle Menschen sind gleich (aus der Unabhängigkeitserklärung der USA). Ich halte das für 50% falsch, denn die Menschen und die Maßstäbe sind von Natur aus unterschiedlich und ungerecht. Das ist ein Paradoxum oder besser ein chronischer Dualismus - und beides zählt gleichzeitig! Elias Canetti beschreibt in seinem Buch „Masse und Macht“ aus meiner Sicht beispielhaft verschiedene chronische Dualismen als Naturgesetz. So ist Bewusstsein und Unterbewusstsein einer dieser typischen Dualismen. Diesseits und Jenseits auch.

Ist das nicht zu kompliziert?

Ludwig von Mises sagte einmal: „Es braucht schon einen Meister, um komplexe Zusammenhänge einfach darzustellen“. Dem kann ich mich nur anschliessen. (lacht)

Warum malen Sie dann nicht realistisch?

Um das Paradoxe darstellen zu können, nutzt es mir nichts, ein Abbild zu schaffen. Wenn ich die wirklichen Umstände darstellen will, muss ich mehr leisten. Deshalb habe ich mich auch entschlossen, nicht „echt“ oder „realitätsnah“ zu malen, sondern bei meinen Bildern immer die fantastische Komponente zu integrieren. Insgesamt hilft mir diese Art und Weise das Unaussprechbare sichtbar zu machen.

Dann hat Ihre Kunst ja eine Funktion...

Ja, genau. Ich male, damit es klar wird. Ich möchte unserer unaufhaltsamen Wissens- und Technikgeschwindigkeit Raum und Zeit für Reflexion und damit für das Begreifen entgegengesetzten. Ich würde der globalisierten Gedankenwelt gerne eine Kultur der Reflexion hinzufügen. Der Schlüssel dazu erscheint mir nicht in einem Studium der Malerei, der Kunstwissenschaften, der Philosophie, der Politik oder der Geschichte etc. alleine zu liegen, sondern in einer Mischung der Gedankenstränge aus all diesen Disziplinen. Universalismus eben.

Das Problem ist, dass viele Kritiker den Begriff Retro nicht so verstehen, nämlich als den bewussten Rückgriff auf etwas, was schon einmal da war, kombiniert mit einer Mischung. Daraus entsteht dann die Erkenntnis und das Neue, was so eben noch nicht da war.

Wie entsteht die unglaubliche Räumlichkeit Ihrer Gemälde?

Die Maltechnik die ich benutze ist eine selbst erfundene, die sich aus dem Studium der Arbeiten von Francisco de Zurbáran und Giorgio Morandi ergab. Sie hilft mir, dreidimensionale Objekte zu entwerfen und darzustellen. Dabei liegt mir die Betonung von Hell/Dunkel und Licht/Schatten besonders am Herzen, denn diese bilden ein besonderes Licht, das mystisch oder gar magisch beim Gemälde zu Tage tritt. Wer sich auf die genaue Untersuchung meiner Bilder einlässt, stellt fest, dass nichts, aber auch gar nichts stimmt. Weder die Schatten, noch die Perspektiven. (lacht)

"Retro-Art" als die kleine, laute, schrille Schwester der Pop-Art? Was ist daran neu?

Die Übersetzung der Symbole ins heute. Wir brauchen die Ikonen der Werbung nicht mehr abzubilden, denn Werbung und deren Style sind doch längst Teil unserer Alltagskultur geworden. Neue Symbole, die die Menschen wieder verstehen können, sind nötig und das möglichst 3-dimensional. Ich habe den Gedanken von Warhol nicht nur einfach kopiert, sondern ins heute übertragen und wesentliche Teile hinzugefügt: Das Dekodieren, das Ikonisieren und die Verknüpfung mit der heutigen Alltagswelt. Schauen sie sich doch einmal um: Unsere Welt entwickelt sich zurück, das Romantikzeitalter in Modern, wo man nur hinsieht. Die Jugendkultur ist nicht mehr gegen etwas, sondern nimmt die Stilmittel selbstverständlich auf und benutzt sie für ihre Zwecke. Es geht nicht um Protest, sondern um Selbstdarstellung. Das ist, wenn man so will, die Banalisierung unserer Gesellschaft und steht im Kontrast zu den Ideen der 68er Bewegung.

Schrille und poppige Farben sind Ihr Markenzeichen...

Das ist nett, dass sie das sagen, aber es ist viel mehr. Denn die Farben sind doch nur der Ausdruck für die Inhalte!

Dann wünsche ich Ihnen weiterhin viel Erfolg und vielen Dank für das Gespräch.

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