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[18. Februar 2016] "Retro ist etwas Modernes"

Interview Mit Thorsten Wingenfelder „Retro ist etwas Modernes“. Text und Interview von Stephan Onnen für NWZ online. Foto imago stock&people

Thorsten Wingenfelder schreibt Songs für die Generation Ü40

Das waren noch Rockstar-Zeiten: Zur „Fury in the Slaughterhouse“-Geschichte gehört auch ein Hubschrauberflug nach Oldenburg. Am 10. März kommen Wingenfelder und Band ganz normal im Tourbus.

Frage: Haben Sie zu Oldenburg im Laufe der Jahre eine besondere Beziehung entwickelt?

Thorsten Wingenfelder: Das kann man so sagen. Oldenburg und wir – das hat eine lange Tradition. Oldenburg war schon für Fury in the Slaughterhouse von Anfang an eine der Hochburgen. Wir haben damals 1989 im Kulturzentrum Kurlandallee gespielt, 1990 dann im Renaissance. 1996 wurden wir mit einem Hubschrauber für einen Gig zum Tag der Niedersachsen eingeflogen, wir sind mit Blaulicht und Wahnsinnsgeschwindigkeit zur Bühne auf dem Rathausplatz gefahren worden. Ich dachte, wir kommen da nie an (lacht). Und 2013 haben wir in der Kulturetage das Warm-Up für unser „Klassentreffen“-Konzert in Hannover zur Fury-Wiedervereinigung gespielt. Auch mit Wingenfelder kommen wir immer wieder gerne hierher. Oldenburg ist für uns so was wie Heimatregion. Wir fühlen uns hier einfach wohl. Das Raue und die Herzlichkeit der Menschen – da sind ‘ne Menge Songs von uns zuhause. Deshalb freuen wir uns sehr, wenn wir hier spielen.

Frage: Werden Sie noch häufig auf die „Fury“-Vergangenheit angesprochen?

Wingenfelder: Klar. Wir sind damit untrennbar verbunden. Ist aber alles gut. Würden wir nicht darauf angesprochen, wären wir nur eine x- beliebige Band gewesen. Selbst großkalibrige Leute outen ihre Fury-Vergangenheit. Ein witziges Beispiel: Vor seinem Kampf gegen Tyson Fury hat sich Wladimir Klitschko an uns als seine Lieblingsband erinnert. Wir haben unseren Frieden damit gemacht. Wenn wir die anderen Jungs treffen, ist das schön. Ob wir irgendwann noch einmal ‘ne Platte zusammen machen, weiß ich nicht. Wir kommen gut so klar, wie es ist. Wingenfelder ist auf ganz andere Art und Weise sehr befriedigend. Da gibt’s momentan überhaupt nichts zu meckern.

Frage: Wo liegen die Unterschiede zwischen Wingenfelder und Fury?

Wingenfelder: Ein Song wie „Hey Cowboy“ hätte auf Englisch auch auf einem neuen Fury-Album sein können. „Beste Band der Welt“ ist da wieder was ganz anderes. Das hätte es mit den Furys so nicht gegeben. Der größte Unterschied ist, dass wir in der Muttersprache singen und texten und damit auch die Leute anders berühren und erreichen. Songs, auf die die Leute nach Konzerten Bezug nehmen, sind echte Schwergewichte. Wir besingen die Generation Ü40 und erzählen daraus Geschichten. Das gibt’s in dieser Form nicht so oft, was das Storytelling in den Songs betrifft.

Frage: Lassen sich schwierige Themen besser in der Muttersprache erzählen?

Wingenfelder: Ja, aber das ist natürlich auch weniger kommerziell. Auf Englisch kannst Du jeden Mist singen. Wenn man sich das übersetzt, fällst Du vollkommen aus der Kurve. Wenn Du schwierige Themen anpackst, ist die Gute-Laune-Morning-Show im Radio für Dich gestorben. Frage: Welchen Einfluss haben die musikalischen Wurzeln auf die heutige Arbeit?

Wingenfelder: Einen sehr großen. Ich hab’ mich vor ein paar Monaten auf einer privaten Party nach einem U2-Konzert in Köln mit The Edge unterhalten. Dessen Gitarrenspiel hat mich geprägt, das lässt mich nicht los. Die Art, wie die Band spielt und wie auch deren neue Songs live klingen, zeigt, dass sie immer noch relevant ist. Aus dieser Ecke komm’ ich her, das werd’ ich auch nie verleugnen.

Frage: Die aktuelle Platte heißt „Retro“ – muss man das als Konzeptalbum zum Thema „Früher war alles besser“ verstehen?

Wingenfelder: Nee, natürlich nicht. Das ist genau wie bei „Beste Band der Welt“, wo die Leute denken, dass der Song von Fury handelt. Das tut er nicht. Es ist ein Song über meine alte Schülerband. Wenn man genau hinschaut, wird man sehen, „Früher war alles besser“ ist nur eine Floskel, hinter der sich ganz viel Traurigkeit verbirgt. Hinter dem Titel „Retro“ steckt letztlich die Geschichte, dass wir befreundet sind mit dem Retro-Art-Künstler Ralf Metzenmacher. Ein paar Ornamente von ihm haben wir auf dem Katzen-Cover untergebracht. Retro ist für uns, sich musikalisch in der Vergangenheit zu bedienen und in der Gegenwart etwas für die Zukunft zu bauen. Wer anderes als wir, die in diesem Alter sind, sollte das machen? Retro ist eigentlich was sehr Modernes, Kreatives. Deswegen auch die Zusammenarbeit mit einem Alternative-Rock-Produzenten wie Paul Grau und einem eher technischen Produzenten wie Ralf C. Mayer, der sonst Cro oder Clueso macht.

Frage: Warum gerade diese Mischung?

Wingenfelder: Die beiden kennen sich sehr gut. Die beiden haben sich auf die Fahnen geschrieben, mit uns als Klebstoff gegensätzliche Pole zu verbinden. Das ist gelungen. Stücke wie „Früher war alles besser“ oder „Hey Cowboy“ sind eher rockorientiert. Und dann gibt’s Stücke wie „Mein Hafen“ oder „Beste Band der Welt“, die sind eben anders. Das musst Du erst einmal auf so einem Album unterbringen.

Frage: „Retro“ ist Euer drittes Wingenfelder-Studioalbum plus eine Live-Platte innerhalb von fünf Jahren. Das nenne ich mal produktiv...

Wingenfelder: In größeren Intervallen zu arbeiten, kannst Du Dir in Deutschland nicht erlauben. Du musst alle zwei Jahre was Neues haben. Das ist ein Handwerksberuf, ganz unromantisch.

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