Ralf Metzenmacher
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[06. Oktober 2015] Ein Charlie Chaplin der Retro Art

Der Bamberger „Pinselartist®“ Ralf Metzenmacher und das Cover von „Wingenfelder“

Mit dem Rock/Pop-Duo „Wingenfelder“ treten am 5. Dezember um 20.00 Uhr die ehemaligen Frontbrüder Thorsten und Kai von „Fury in the Slaughterhouse“ mit ihrem neuen Album „Retro“ im „Kulturboden Hallstadt“ auf. Das Plakat-Motiv, das auf diesen Event hinweist, ist so ungewöhnlich und spektakulär, wie die Geschichte, die sich dahinter verbirgt. Es zeigt eine Katze mit einer grellbunten Brille. Mitgestaltet hat es der Bamberger „Pinselartist®“ Ralf Metzenmacher, der in seinem vorherigen Leben auch einer der mächtigsten Raubkatzen der Sportindustrie Leben eingehaucht hat: Als PUMA-Designer entwarf er stylische Schuhe für den fränkischen Sportartikelhersteller und stieg in den inneren Zirkel des PUMA-Gremiums für Zukunftsplanung auf. Dann wandte sich Metzenmacher vom Raubtier-Kapitalismus ab – und wurde Retro-Art-Künstler. Im FN-Interview schnurrte Metzenmacher weder wie ein Kätzchen, noch fauchte er wie ein Puma, sondern gab sich durch und durch menschlich...

FN: Die Rockgruppe „Emerson, Lake & Palmer“ hat 1971 eine Komposition von Modest Mussorgski aufgegriffen, die Gemälde seines Freundes Viktor Hartmann beschreibt. Und nun kommen Sie und behaupten, dass Sie „Wingenfelder“ mit Ihrer Kunst zu deren neuen Album „Retro“ inspiriert haben... Metzenmacher: Es gab 2006 ein Solo-Konzert von Thorsten Wingenfelder im Live-Club in Bamberg. Thorsten hat mich dann nach Berlin eingeladen. Und als Gastgeschenk habe ich ihm eine selbstgestaltete CD mit meinen Motiven mitgebracht. Die Band hat dann 2009 zu einer Ausstellung von mir Lieder und Texte zu meinen Bildern gemacht, sie neu interpretiert. So sind wir auf meine Inhalte gekommen. Durch unsere Diskussionen sind im Laufe der Zeit, über einzelne Songs, auch Ideen zu ihrem neuen Album entstanden, für das ich das Cover mitgestaltet habe. Die Jungs sind ja jetzt in einem Alter, wo die Zukunft geringer und die Vergangenheit größer wird. Und die haben ja einiges erlebt, so dass der Titel „Retro“ sowohl vom Namen als auch zu den Songs im neuem Album passt. Sie haben gesagt: Lasst uns doch ein paar Sachen aus der Vergangenheit reflektieren und ins Heute übersetzen. Das sehe ich als Retro-Art-Künstler genauso. Gedanken bewahren, erweitern und aktualisieren, wenn man so will.

FN: Auf dem CD-Cover sieht man eine Katze mit Brille... Metzenmacher: Das ist eine Karthäuserkatze. Und in der Brille sieht man zwei ganz starke Elemente. Das eine geht um Selbstmordattentate. Ich habe ein Bild gemalt, das heißt „Ad Absurdum“. Und dabei geht es darum, dass aus religiösen Welten und Intensionen etwas ganz Bösartiges entstehen kann, ein ad absurdum-führen der eigentlichen Botschaft. Und seit Paris und Mali wissen wir, wie real das ist. Und dann sieht man eine Time-Whisper-Taube, deren Kopf mit einer Uhr verhüllt ist und die einen Schlüssel um den Hals trägt. Man hat den Schlüssel zum Frieden also in der Hand. Doch wenn wir nichts aktiv ändern, wird die Zeit immer knapper und wir immer blinder.

FN: Und warum die Katze? Ist das auch ein Symbol? Metzenmacher: Auf vielen Facebook-Seiten hat fast jeder Zweite einen Hund oder ein Kätzchen als Profilbild oder in seiner Bildergalerie. So nach dem Motto: „Ooh, wie süß!“, um möglichst viele „Gefällt mir“ zu bekommen. Um das ironisch wieder aufzunehmen, haben wir diese psychedelische Brille genommen als Referenz an die wilde Janis Joplin. Als Symbol für „Eigensinn“ und Haltung.

FN: Sie haben sich als Puma-Designer einen Namen gemacht. Was treibt einen solch´ erfolgreichen Raubtier-Dompteur um, seinen sicherlich hochbezahlten Job aufzugeben und, wie Sie sagen, ein Pinselartist® zu werden? Metzenmacher: Wenn man die Sinnlosigkeit seines eigenen Handelns erkennt, dass das Mehr an Mehr überhaupt kein Mehr an Qualität für einen persönlich darstellt. Und es ist dann auch völlig egal, ob man dann noch eine tollere Kollektion in der nächsten Saison macht. Er wird eben nur dieses Mehr an Mehr. Die wirkliche Sinnhaftigkeit geht in einer solchen Denkwelt verloren.

FN: Pinselartist® – das klingt ein wenig wie die Bezeichnung Grimassenkünstler für einen Clown? Metzenmacher: Wenn man sich Charlie Chaplin anschaut, dann stellt der die Wirklichkeit dar. Und natürlich die Idiotien und die unmenschlichen Seiten des Lebens. Sein Mittel ist es, das alles mit Humor zu nehmen. Er führt das alles ad absurdum. Man könnte Chaplin als Humor-Artisten bezeichnen. Und so etwas Ähnliches, natürlich nicht in der Genialität, mache ich mit Pinsel und Farbe.

FN: Sie haben sich der „Retro-Art“ verschrieben. Fällt Ihnen als Künstler nichts mehr Neues ein? Ist die Moderne Kunst so am Ende, dass nun wieder Retro wie in der Renaissance oder im Klassizismus angesagt ist? Metzenmacher: Ich bin bei vielem Neuen dabei gewesen. Und das Neue, das zeigt die Kunstgeschichte, entsteht in der Regel, wenn man etwas zerstört, Vorbilder ruiniert und dann versucht etwas Eigenes zu schaffen. Oder man trägt einen Gedanken weiter, den es schon gab. In meinem Fall vermische zwei Gedanken miteinander, den Inhalt des Barock-Stilllebens mit der seriellen Pop-Art. Deshalb wirken meine Werke sehr plakativ. Achtet man aber auf die Inhalte, dann sieht man auch die Ernsthaftigkeit. Eine solche Kombination gab es noch nicht. Ich bezeichne meine Kunst ja auch ganz bewusst als „retro“, weil sie wichtige Gedanken der Kunstgeschichte aufnimmt. Oft sitze ich in einem Museum vor einem Bild und denke: „Alter Schwede, ist das geil! Das ist ja eine Gegenposition zum damaligen Mainstream!“ Klassische Stillleben machen heute - aus meiner Sicht - überhaupt keinen Sinn mehr. Gegenstände kann man viel besser fotografieren. Und darum habe ich Symbole erfunden, die in der Vergangenheit verankert sind, aber die heutige Wirklichkeit widerspiegeln

FN: Welche Motive bevorzugen Sie? Metzenmacher: Da sind wir genau beim Thema. Ich erfinde die Motive selbst, aber sie tun so, als würde es sie geben. Ich muss also etwas malen, was man nicht fotografieren kann – Gedanken und Gefühle. Was man auf meinen Bilder sieht, hat es nie als Objekte geben. Aber man meint auf den ersten Blick, sie zu kennen. Das ist dann fantastischer Realismus.

FN: Sie haben einmal gesagt, sie wollen die Kunst demokratisieren... Metzenmacher: Der Gedanke, dass Kunst elitär ist, den finde ich verwerflich. Ich mache ja Kunst nicht für die gehobene Gesellschaft. Wenn ich die Wirklichkeit widerspiegle, dann sollen auch Menschen Zugang zur Kunst bekommen, die nicht so viel Geld haben. Menschen, die weniger Geld haben, haben ja nicht weniger Geschmack. Und so stelle ich mit dem Original ein „Master Tape“ her, von dem ich dann Kopien mache, die ich noch einmal individuell bearbeite. Ich schaffe so neue Originale in einer seriellen Produktion.

FN: Menschen bewundern erfolgreiche Künstler, weniger erfolgreiche werden nur mitleidig belächelt. Was für ein Künstler sind Sie? Metzenmacher: Ich würde mich gar nicht einordnen. Ich mache ja keine Kunst, um erfolgreich zu sein. Ich bin eher missionarisch unterwegs. Ob ich erfolgreich bin, das habe ich nicht in Hand. Und das ist mir auch nicht wichtig. Ich war ja schon erfolgreich bei Puma und habe die Sinnlosigkeit erkannt. Ganz viele Menschen mit viel Geld tun nur das, was sie können: Noch mehr Geld verdienen! Wie doof ist das denn? Da ist es doch viel besser, etwas zu machen, was es noch nicht gibt, etwas das zu neuen Erkenntnissen führt...

FN: Verzeihen Sie die despektierliche Frage: Was kostet ein original Metzenmacher? Metzenmacher: Das fängt mit 400 Euro – dank der seriellen Kollektionen – an. Aber es gibt auch ein Bild, das kostet 140000 Euro. H&M und Prêt-à-porter in einem.

FN: Wenn Sie zum Sport gehen – dann natürlich nur in Puma-Schuhen? Metzenmacher (lacht): Natürlich nur in Puma-Schuhen. Irgendwie habe ich die Marke als mein Baby ja lieben gelernt!

Thomas Pregl http://www.fn-magazin.de


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