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[20. April 2013] Außen Pop, innen harter Rock

Außen Pop, innen harter Rock

AUSSTELLUNG - Im Bamberger FT-Verlagsgebäude stellt Ralf Metzenmacher aus. Der frühere Puma-Designdirektor nennt seine Kunst Retro-Art – ein Amalgam aus Barock und Pop. VON RUDOLF GÖRTLER

Was muss einen umtreiben, der einen gut dotierten Posten und eine sichere Karriere in einem weltweit bekannten Unternehmen aufgibt und die prekäre Existenz des freien Künstlers wählt?

Übermut? Überdruss vielleicht? Ein Hasardeur? Immerhin ist Ralf Metzenmacher ehrlich genug zuzugeben, dass er den Schritt vom fest angestellten Kreativ-Manager zum Künstler-Unternehmer zuweilen bereut hat. Was ein sehr sympathischer Zug ist, denn gemeinhin schwärmen „Aussteiger“ – ein solcher im klassischen Sinn ist er wohl nicht – von ihrem neuen Leben und wie gut es ihnen gehe. Doch der 1964 bei Aachen geborene Metzenmacher sprang nicht ins kalte Wasser der Freiheit, es war mindestens lauwarm. Denn er nahm auf die Reise ins ökonomische Ungewisse ein Paket Sicherheit mit: eine solide Ausbildung, Erfahrung und Fertigkeiten als Produktdesigner, nicht zuletzt Ersparnisse.

Pazifistisch und humanistisch

Der Lohn: das Geld für etwas Sinnvolles einzusetzen (wobei der Mann nicht sagt, dass die Puma-Jahre verlorene Jahre waren), die Ergriffenheit arabischstämmiger Studenten vielleicht beim Betrachten seiner Bilder aus dem Schein-Heilige-Land-Zyklus. Denn wenn engagierter Kunst auch ein Image des Gestrigen, verstaubt Linken, Gutmenschenhaften anklebt, bekennt sich Metzenmacher doch dazu: Ja, ihm ist seine pazifistische und humanistische Haltung wichtig, die sich in seinen Werken manifestiere. „Gegen jeden Wahnsinn“ ist seine aktuelle Ausstellung im Bamberger Verlagsgebäude des Fränkischen Tags am Berliner Ring daher überschrieben.

Jeder Wahnsinn, das ist wichtig, gleich von jeder Seite. Und das ist auch ein Schwachpunkt seiner Kunst. Wenn in einer Serie auf Friedenstauben Nationalflaggen von Nordkorea und Israel, Iran und Russland drapiert werden, drohen Unterschiede zu verwischen. Israel ist eben nicht Iran, wenn man seine Politik auch kritisieren mag und kann. Das ist der Unterschied: Israelis können in Israel die Politik ihres Landes kritisieren, Iraner nicht. Stephan Kaußen, Freund und Laudator Metzenmachers, erklärt: Es komme auf den Perspektivenwechsel an, auf Denkanstöße. Wie der Künstler auch selbst interpretiert – er wolle um Verständnis werben, Unterschiede bebildern, „eine unterbewusste Realität darstellen“.

Das hört sich schwieriger, verquälter an, als es ist. Tatsächlich können auch in der Ikonografie eher Ungeübte mit den teils großformatigen Bildern etwas anfangen. Junge Leute sicher ebenso. Dazu setzt Metzenmacher auf knallige Farben, klare Formen – das kennt man von Postern, von Dalí-Reproduktionen, die jahrzehntelang die Wände der Zimmer Heranwachsender schmückten, von eher leicht zu fassender Agitation eines John Heartfield oder Klaus Staeck. Freilich steckt dahinter einiges an kunstgeschichtlichen Kenntnissen, ein ausgefuchster, anspielungsreicher Gestaltungswillen, vereint mit solidesten handwerklichen Fertigkeiten und naturgemäß einem professionellem Marketingkonzept.

Denn dies alles beherrscht der Künstler aus dem Effeff. Nach einer Schlosserlehre studierte er in Aachen Produkt- und Objektdesign mit den Schwerpunkten Malerei und Zeichnung. Er stieg dann beim mittelfränkischen Sportartikelkonzern ein, als es dem ökonomisch nicht so sehr gut ging. Seine Retro-Modelle waren erfolgreich, er kam auf der ganzen Welt herum. Was ihn offenbar nicht befriedigte. 2007 legte er seine letzte Kollektion vor und atmet seither die Luft der künstlerischen Freiheit.

Vorbilder der „Retro-Art“ sind einmal Klassiker des Stilllebens wie der weniger bekannte Spanier Francisco de Zurbarán (1598–1664) oder der Italiener Giorgio Morandi (1890–1964). Zum anderen natürlich Pop-Art-Künstler wie Roy Lichtenstein oder Andy Warhol. An Zurbarán hat Metzenmacher, der seinen Stil auch als fantastischen Realismus definiert, seine Technik geschult, mit Warhol verbindet ihn die Serigraphie: Die Originale, Öl auf Leinwand, vervielfältigt er mit hochmodernen Drucktechniken, farblich variiert und signiert, antikisierend gerahmt. So bearbeitet er Anselm Feuerbachs Gemälde „Ricordo di Tivoli“ von 1866, macht aus dem bukolischen Idyll ein Bild der Entfremdung zwischen Mann und Frau oder der Menschen überhaupt, die seelenlos verkabelt an ihren Smartphones hängen. Überhaupt treibt den Retro-Artisten das Geschlechterverhältnis um. Er plädiert für eine „Unterschiedlichkeitsberechtigung“, wendet sich jedoch auch gegen „männliche Brachialität“. Schnecken und Muscheln hängen im Medienhaus; Symbole der Weiblichkeit seit jeher, die in der „Krone der Schöpfung“ kulminieren. Metzenmacher arbeitet sorgfältig, reist zur Recherche wie zuletzt nach Beirut, das ihn fasziniert und schreckt zugleich.

Gewalt und Ausgrenzung kritisiert er als Wahnsinn, sieht schon die Gefahr, zu banalisieren, die Schwierigkeit, das Einfache zu machen. Als Designer hat er die Maxime „Reduktion von Komplexität“ verinnerlicht und setzt sie als künstlerisches Diktum ein. Also klebt in „500er Möhrchen“ ein Label auf der appetitlichen Dame, umhüllt die palästinensche Flagge in „Masada“ den mythischen Berg der Juden, steht am Goldenen Tor Jerusalems ein Wachturm, zeigt die „Melonen der Prinzessin“ verborgene Lüste.

Provokationen scheut er nicht, wenn etwa in einem „neuen Heiligenbild“ Jesus (mit Palästinensertuch) den Stift einer Handgranate zieht: Kritik an palästinensischen Selbstmordattentätern, so wie in „Der gefangene Engel“ Barack Obama ein Opfer der Verhältnisse scheint. Doch, die scheinbar so leicht zu fassenden, bunten, poppigen Werke haben Tiefe. „Außen Pop, innen Rock“ (Metzenmacher). Das ist es.

Viva Retro

Ort Medienhaus des Fränkischen Tags, Bamberg, Gutenbergstr. 1, Foyer, Mediengarten und Vortragssaal im ersten Stock.

Öffnungszeiten Mo.-Fr. 7-19 Uhr, bis 28. Mai

Vorträge „Retro“ am Mi., 8. Mai, 17–19 Uhr; „Kreativität“, Vorträge durch den Künstler

Portraitfoto: Matthias Hoch

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