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[06. Mai 2011] Die Tauben-Postkarte. Interpretation von Andreas Korn

Bildinterpretation von Andreas Korn, 17.1.2011

Auf der Rückseite finden sich 3 verschiedene Abbildungen einer Taube, die als Umrisszeichnungen bzw. als weiße Fläche auf blauem Grund für jeden eindeutig zu erkennen sind. Pablo Picasso hat 1949 für den Pariser Weltfriedenskongress eine Zeichnung mit einer Taube entworfen (Abb. ganz links), die bis heute als „Friedenstaube“ weltweit bekannt ist. Dieses Symbol hat seitdem unterschiedliche gestalterische Modifikationen erlebt (Abb. Mitte). Ganz rechts wird eine Taube gezeigt, deren Kopf von einer US-Flagge verdeckt ist (Ralf Metzenmacher, 2010/2011). Die linke und rechte Taube sind sich zugewandt, alle Abbildungen vermitteln durch die filigrane Linienführung und die dezente Farbgebung eine gewisse Leichtigkeit.

Auf der Vorderseite der Postkarte (Anschriftfeld) befindet sich die Abbildung eines Gemäldes in Kreuzform mit breitem, hellbraunen (Holz-) Rahmen. Deutlich davon abgesetzt, konzentriert sich der Blick auf 3 Bildelemente, die vom schwarzen Hintergrund deutlich hervorstechen. Im linken Flügel des kreuzförmigen Bildes ragt ein naturalistisch gemalter Totenkopf hervor, dessen Schädeldecke von der amerikanischen Flagge bedeckt ist. In der Bildmitte dominiert ein merkwürdiges Arrangement verschiedener Elemente, die sich bei genauem Hinsehen als ein Holzkreuz, ein Helm und ein transparenter Umhang identifizieren lassen. Im rechten Bildteil befindet sich wieder die Taube mit flaggenbedeckten Kopf. Totenschädel und Taube, auch hier einander zugewandt, umfassen das Kreuz, über welches der mit leichten Pflanzenmotiven bestückte Stoff wie ein Gewand hinunter hängt, sich nach unten gehend etwas verbreiternd. Das Kreuz mit dem Umhang lässt im unteren Bildgeviert einen Militärhelm erkennen, auf dessen Oberfläche sich - hier nicht mit Tarnfarben versehen - sondern über rote Signalfarbe Teile der Weltkugel zeigen. Stecknadeln heben auf der Weltkarte wichtige Militärstützpunkte der USA hervor.

Während die Rückseite mit dem Charme einfacher Umrisszeichnung und Stilisierungen durchaus positiv stimmt, so mahnt die Vorderseite, vom düsteren Schwarz des Hintergrundes geprägt und weniger freundlich, zunächst zur genaueren Betrachtung. Die Leichtigkeit der Rückseite weicht hier dem Ernst anthropomorpher, religiöser und militärischer Zeichen, die Fragen nach Klärung provozieren. Der Totenkopf – ein Symbol des Todes – wird hier mit der Nationalflagge auf die Weltmacht USA gelenkt. Das Kreuz – auch ein Symbol des Todes, aber auch Zeichen christlicher Kultur – korrespondiert mit der Taube, die mit der über den Kopf gestülpten US-Flagge an die Misshandlungen der Guantánamo-Häftlinge zu verweisen scheint. Wie auch immer, der Flug der Taube ist verschattet, kann also nur ziellos, orientierungslos sein. Die Euphorie eines „Phönix aus der Asche“ kann sich hier nicht entfalten, alles deutet auf die Vorahnung des Absturzes hin. Das Kreuz, Symbol christlicher Macht, ist hier kombiniert mit dem taktischen Kalkül einer Weltinbesitznahme, mit dem Ausweiten territorialer Macht und militärischer Gewalt. Okkupation steht im wahrsten Sinne unter dem Deckmantel christlicher Religion. Kennt man aus der Kulturgeschichte mannigfaltige Papstbilder (Renaissance - Diego Velazquez, Francis Bacon – 20. Jh.), die den Pontifex durch einen Vorhang weltlichen Geschehens auf eine entrückte, spirituelle Dimension heben, so wird hier aber sehr deutlich, wie eklatant weltliche und religiöse Konflikte beieinanderliegen. Waren schon im Mittelalter die Kreuzzüge begleitet von Vernichtung und Zerstörung, so sind heute insbesondere von den USA militärische Operationen und Sanktionen (im eigenen Land sowie im Ausland) festzustellen, die ein widersprüchliches Bild entstehen lassen.

Die Friedenstaube, die zum Blindflug aufbricht und hier zum Tod bringenden Symbol religiöser Intoleranz mutiert.

http://www.andreas-korn.de


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