Ralf Metzenmacher
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"Feuerbach 2008" oder "Nichts hat sich geändert"

Bildinformationen:
200cm x 240cm, Öl auf Leinwand

Die Geschichte:
Berlin im Jahr 2007, "Alte Nationalgalerie" mit einer Ausstellung: Werke des 19. Jahrhunderts. Ich lieh mir einen Audioguide und machte mich für die nächsten 3 Stunden auf Entdeckungstour. Ich war fasziniert von all den großartigen Werken berühmter aber auch unbekannter Meister. Kurz vor dem Ende meiner Besichtigungstour, stieß ich auf ein mir völlig fremdes und ganz unscheinbares Bild - Ricordo di Tivoli - von Anselm Feuerbach.

Fast wäre ich daran vorbei gegangen, weil es mir auf den ersten Blick relativ langweilig erschien. Dann sah ich die Nummer neben dem Bild, die mir signalisierte, dass es zu diesem Bild auch eine kunsthistorische Erzählung gibt. Ich warf den Guide an und war gespannt. Schon nach wenigen Sekunden des Zuhörens konnte ich es gar nicht fassen: Der Sprecher erzählte von Erkenntnissen über Weiblichkeit und Männlichkeit in ähnlicher Weise, wie ich sie bei meinen bisherigen beiden Zyklen "Die Krone der Schöpfung" und "Der Herr der Krone" selber gemacht habe.

Anselm FeuerbachIch war wie vom Blitz getroffen. Meine Geschichte hatte Anselm Feuerbach also auch gemalt und das schon vor ca. 130 Jahren! Ich hörte darum genau zu.

Der Sprecher beschrieb das Bild, auf dem ein Junge und ein Mädchen zu sehen sind. Das Mädchen trägt Kleidung in den Farben des Himmels – eine weiße Bluse und einen blauen Rock. Es sitzt auf einem Felsen, etwas höher als der Junge. Ihr Blick ist himmelwärts gerichtet. Verträumt schaut sie aufwärts - ins Nirgendwo. Der Junge nur mit einem braun-beigen Tuch bedeckt, sitzt auf einer roten Decke, dem Mädchen zu Füßen. Er trägt, wenn man so will, die Farben der Erde, schaut auf den Boden, dort wo Disteln und Blätter im Dunklen sind. In seinen Händen hält er das entscheidende Utensil – nämlich eine Laute oder Gitarre, wie man heute sagen würde. Die Töne, die er spielt, kann man natürlich nicht wirklich hören, aber man kann sie sich vorstellen. Und: Nur diese unhörbaren Töne bringen das Mädchen und den Jungen zusammen. Sie brauchen dieses Medium, um sich verständigen zu können, denn prinzipiell sind beide komplett unterschiedlich, obwohl sie aus Fleisch und Blut sind. Anscheinend gab es schon damals Kommunikationsprobleme zwischen den Geschlechtern.

Genau diese Erkenntnis habe ich bei meinen Arbeiten auch gewonnen, trotz der Frauenbewegung, die ja versucht, Mann und Frau gleich zu machen. Das Wort Gleichberechtigung wird aus meiner Sicht missbraucht, denn eine Gleichmacherei in allen Bereichen führt zu einem Trugschluss: Frauen und Männer sind gleich! Das stimmt aber nicht. Auch in unserer modernen Welt nicht. Den Beweis lieferte schon Anselm Feuerbach vor 130 Jahren, und der Grund für sein Bild, also seine Erkenntnis gilt heute immer noch.

Ich drücke das einfach nur so aus:
Männer und Frauen haben nichts gemeinsam, nur an einer Stelle. Oder drastischer: Der Blick des Mannes auf die Frau hat sich seit 130 Jahren nicht verändert. Wow!! Aus meiner Sicht bedeutet das: Trotz des gefühlten Fortschritts und der Emanzipation hat es keine wirklich entscheidende Veränderung gegeben, sondern nur eine Verschiebung von Macht. Die Menschen haben sich seit dieser Zeit im Grunde nicht weiter entwickelt. Wir werden zwar alle älter als früher, aber wirklich etwas gelernt aus Vergangenheit und den Bestrebungen um Selbstverwirklichung mit dem Ziel, mehr Humanismus zu erlangen, haben wir anscheinend nicht.

Sofort wurde mir beim Betrachten klar: Dieses Bild Ricordo di Tivoli musste ich ins Heute übersetzen. Retro-Art also wörtlich nehmen. Zum ersten Mal kann ich an diesem Ausgangsbild die Retro-Art malerisch für Außenstehende erklärbar machen. Dabei wusste ich natürlich auch, es ist selbstverständlich sinnlos, eine Kopie eines Meisterwerks zu malen. Ich wollte und musste entscheidende Dinge ändern. So entschloss ich mich, die Personen nur als Schatten oder Scherenschnitte darzustellen und auf die detailgetreue Wiedergabe der Menschen völlig zu verzichten. Ich wollte damit Bezug zur Grafik und zum Style nehmen, die für den Launch des ersten Apple iPods benutzt wurde. Schließlich geht es hier letztlich um das Thema Kommunikation. Aber: Hier spielt nicht einer für den anderen und der jeweilige Partner hört dabei zu.

Wenn man so will, ist das die Individualisierung der Gesellschaft. Aus meiner malerisch, philosophischen Sicht sind aber Individualisierung und Verweiblichung Ausdrücke für die Steigerung von Egoismus, denn schon Novalis, der berühmteste deutsche Dichter der Romantik, hat festgestellt: Frauen denken individuell, Männer universell. Das bedeutet, dass selbst das Denken der Geschlechter unterschiedlich war und noch heute ist. Deshalb brauchen Frauen Männer und Männer Frauen. Man kann das nicht gleichmachen, denn nur zusammen – als Addition der Unterschiedlichkeit - ergibt sich etwas Positives für die Gesellschaft.

Feuerbach

Nein, hier spielt jeder seine eigene Musik


Aus der Retro-Art Musik Edition zu diesem Werk:
Ausschnitt aus "Wingenfelder & Wingenfelder - Die Unperfekten"

Die Werbung zum iPod bringt das auf den Punkt. Deshalb malte ich mein Bild mit der Absicht, auf alles Unwesentliche zu verzichten und mich nicht in Details zu verlieren, wo sie mir nicht wichtig erschienen. Bei genauerer Betrachtung meines fertigen Bildes erkennt man deshalb auch eine überaus grobe Wiedergabe, der von Feuerbach bis ins Kleinste gemalten Natur. Meine Natur ist aber nur Fantasie! Formen und Farben sind frei erfunden und lehnen sich nur ans Ausgangsbild an. Somit ist nichts echt, alles falsch und doch wirkt es richtig.

Bewusst überhöhte ich das Thema Himmel und Erde zu Feuer und Wasser und verwendete daher als Farben nur Blau und Orange. Die Laute oder Gitarre im Bild von Feuerbach ersetzte ich durch 2 iPods, die sowohl das Mädchen als auch der Junge in den Händen halten. Jeder für sich trägt auch einen eigenen Kopfhörer. Soll heißen: Die moderne Technik bringt heute junge Menschen schon gar nicht mehr zusammen. Auch hier wird individualisiert und getrennt! Die Position der Schattenfiguren ist wie bei Anselm Feuerbach. Auch bei mir gibt es ein Oben und Unten, da sich der männliche Blick auf die Frau, die Verehrung für sie wenn man so will, ja nicht geändert hat.

Ich fand es sehr wichtig in diesem Bild all das umzusetzen, was meine bisherige Malerei so ganz besonders ausmacht:

  • Die visualisierte Sichtweise durch die Brille eines Mannes
  • Das Weglassen des Unwesentlichen
  • Die Abstraktion durch Herauslösen der Objekte aus dem Bildzusammenhang
  • Die Farbigkeit, die der Botschaft zweckgebunden untergeordnet ist

Natürlich ist auch mein Thema schön gemalt, aber der Inhalt ist trotzdem höchst brisant bis unverschämt. In Zeiten des völligen Fortschrittsglaubens und des Denkens an Gleichheit bei Frau und Mann, schwimme ich mit meiner Erkenntnis vollkommen gegen den Strom und gegen das Selbstverständnis der Mehrheit vieler Frauen. Ich tue das aber nicht aus böser Absicht, sondern weil ich durch meine Vita und meine Malerei, die ich als Forschung bezeichne, Erkenntnisse erlangt habe, die mich zu diesem Ergebnis führten.
Dass ich meine Malerei aus einer positiven Haltung der Frau und Weiblichkeit gegenüber heraus betreibe, zeigt sich alleine an der Harmonie meiner Bilder im ersten Zyklus zur Weiblichkeit. Und der Titel "Krone der Schöpfung" ist ohnehin ein tiefes Kompliment, keine Ironie.

Fazit:
In der Botschaft eines Bildes des 19. Jahrhunderts fand ich also einen Bruder im Geiste: Der schon lange verstorbene deutsche Maler Anselm Feuerbach (1829 – 1880) hat wohl sehr ähnliche Erkenntnisse zum Thema Mann und Frau gemacht hat wie ich. Ich war erstaunt und entschloss mich daher, meine beiden bisherigen Werkzyklen "Die Krone der Schöpfung" und "Der Herr der Krone" zusätzlich in einem einzigen Bild malerisch als Quintessenz zusammen zu führen, denn seit heute weiß ich: Nichts hat sich geändert!

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