Ralf Metzenmacher vom PUMA-Designer
zum Pinselartisten
Alles ist retro! "Mode, Möbel und Musik, Uhren und Frisuren,
Autos, Elektronik- und Elektrogeräte" überall begegnet man dem
Retro-Look. Produkte, Designströmungen, Stile und Launen vergangener Zeiten werden
aus dem Fundus ausgegraben, aufgefrischt, aufgemotzt und neu aufgelegt. Remix, remake,
remodel; was in Mode und Musik seit langem gilt, durchdringt nun auch andere Bereiche
der Kultur. Während Kulturkritiker in den Feuilletons die Methodik des Retro als
"Einfallslosigkeit" und als plumpes "Kopieren" (miss)verstehen,
entwickeln heutige Produktdesigner und Kreative aus allen Bereichen Neues aus Altem.
Sogar in DuMonts Begriffslexikon zur zeitgenössischen Kunst, erschienen 2002,
hat es "Retro-Ästhetik" mit einem eigenen, längeren Beitrag geschafft:
"Der Begriff »Retro« oder »Retro-Ästhetik« hat seine
Karriere nicht in der Kunst, sondern in der Massenkultur der neunziger Jahre gemacht. Als
Bewegung, die Film, Mode, Musik und Gebrauchsdesign in gleichem Maße durchdrungen
hat, ist Retro der spezifische Ausdruck einer kulturellen Befindlichkeit geworden, eines
Zeitgeistes im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts." Die Retrowelle der
90er Jahre ebbte aber nicht pünktlich mit dem Jahrtausendwechsel ab, sondern rollt
ungebremst weiter durch Gesellschaft und Kommerz und ist aktueller denn je. Das wiederum
ist ein deutlicher Hinweis, dass es sich nicht einfach um einen Trend handelt, sondern um
eine größere soziologische und gesellschaftliche Veränderung, die das Neue
kreiert ohne lediglich eine Kopie zu sein.
Der Begriff "Retro" wurde auch in die Bildende Kunst aufgenommen. Der Künstler
Ralf Metzenmacher bezeichnet seine jüngere Malerei als "Retro-Art Malerei".
Dabei handelt es sich nicht um Bilder, die die Ästhetik oder den Lifestyle der 50er, 60er,
70er oder 80er Jahre des 20. Jahrhunderts einfangen. Nein, „Retro-Art Malerei“
ist Metzenmachers Antwort auf diesen Zeitgeist. Er greift den "Retro"-Gedanken mit
seiner Kunst auf und entwickelt daraus etwas Neues.